DAS ONLINE LOGBUCH eines Schüler JUNIOR Unternehmens aus dem Jahre 2008—2009. Dokumentiert und geführt von Bettina Mischko [Projektpatin und Schulpatin] und Tassilo Mischko [Wirtschaftspate]. Externe Projektpatin: Frau Jasmin Jütting (CHARACTERS Models Mallorca).

 

DIE VORGESCHICHTE: Im Schuljahr 2007|2008 hatte alles begonnen. Die Schüler der damaligen 8cM aus der Alfons-Lindner-Schule Tiefenbach, Kirchberg vorm Wald, erreichten nach einigen Vorrunden mit zwei Dreier-Teams — als einzig Qualifizierte in Niederbayern — das Endfinale eines bayernweiten Wirtschaftsplanspiel und belegten dabei Platz drei und sechs. Zu diesem Erfolg gratulierte der damalige Kultusminister Siegfried Schneider und vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt bei einer feierlichen Siegerehrung sowie Preisverleihung in München ... mehr

DAS ONLINE LOGBUCH

 

AUGUST 2008

Acht Schüler aus der Klasse 9cM hatten sich entschlossen, unternehmerisch weiter zu arbeiten und schmiedeten Pläne für eine Unternehmensgründung. Mit Unterstützung der Lehrerin, Bettina Mischko, war nach einigen regionalen Odysseen und Anfragen der richtige externe Partner für dieses Vorhaben gefunden: das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln). Von da ab ging es unternehmerisch los.

SEPTEMBER 2008

Der Zeitplan war eng und knapp. IW Köln wollte Unternehmer- und Unternehmensdaten auf Papier — die acht Schüler eine Gründungsurkunde in die Hand. Der Beschluss in einem ersten Schulmeeting: das Ressort des Vorstandsvorsitzes ging an Theresa Ciesla, Finanzen an Christina Lux und Andreas Lindner, Marketing an Florian Heller und Martin Klessinger, Verwaltung an Nadja Biller und Verena Havel, Produktion an Fabian Roede. Die Schul- und Wirtschafts-Patenschaft übernahmen Bettina und Tassilo Mischko, die Projektpatenschaft, Frau Jasmin Jütting von Mallorca aus. Unternehmensname und -idee standen noch aus. Das Ergebnis eines runden Tisches: fabulous for.me stellt Taschen für Frauen her. Schnell das IW Köln Formular komplett ausgefüllt und parallel online registriert, um rechtlich sowie versicherungstechnisch abgesichert starten zu können. Zurück kam: die Gründungsurkunde für das fabulous for.me JUNIOR-Unternehmen, sowie unerwartetes als Attachement: eine Einladung zur JUNIOR-Auftaktveranstaltung in München Schwabing, bei der LfA Förderbank Bayern. Weiter im Einladungstext: „... dürfen Sie Ihr JUNIOR-Unternehmen fabulous for.me und Ihre Idee vor dem LfA Vorstand und Vertretern aus der Wirtschaft, präsentieren ...“. „Ja Servus“, neun Tage Zeit für Logo, Text, Powerpointpräsentation und Unternehmenssummary. Das bedeutete ab jetzt: (wo)men at work.

OKTOBER 2008

Mit einem Zug-Ticket in der Hand, ging es vor Sonnenaufgang für die zwei Paten und drei Vorstände nach MUC. Ein Ausspruch des Wirtschaftspaten während der Hinfahrt: „Die Drei kleben und schneiden jetzt noch an den Präsentations-Karten rum?“. Die Schulpatin: „Cool bleiben, die machen das schon!“ ... in Schwabing eingecheckt, noch kurz das Catering-Frühstücks-Buffet genossen, nebenbei Interviews für Presse und Hörfunk gegeben, die Reden der hohen Herren vernommen, waren die fabulous for.me JUNIOR-Unternehmer auch schon auf der Bühne. Erfolgreich und nach einer souveränen Präsentation traten sie nebenbei auch noch ein schulisch sowie heimatlich vertretendes Amt an und zwar das als einzig teilnehmende Hauptschüler in der Funktion als Passau-Image-Botschafter. Anschließend gab es noch ein Workshop-Pflichtprogramm für die Vorstandsvorsitzende, die Finanzleiterin, dem Marketingleiter und der Schulpatin.

Geschult, aufgedreht, motiviert und mit Infos für den Rest der fabulous for.me-Truppe ging es spät abends Richtung Heimat.
Chatten, Skypen, Simsen, Handyfonieren, Mailen, Websurfen, Computern, Downloaden, Uploaden, Googeln, Streamen und vieles mehr gehörte ab jetzt zum Alltagsgeschäft. Es wurde recherchiert, kommuniziert, informiert und dies überwiegend in der Freizeit neben dem alltäglichen Schulgeschehen. Hier musste z. B. Papas Computer herhalten, der Nachbar den Drucker anwerfen und die Mamas den Chauffeur spielen. Privat-Terrassen und Gärten wurden bei Schönwetter in Produktionsstätten verwandelt, denn die acht Jungunternehmer hatten kein eigenes Büro, wenig Equipment und mobil sein war eher das Privileg der Erwachsenen. Trotzdem fand sich immer eine Lösung. Einmal pro Woche trafen sich nachmittags die jugendlichen Unternehmer zum verpflichtenden Meeting und „Unterricht“ in der Schule.

NOVEMBER | DEZEMBER 2008

Etwas ganz Wichtiges stand noch an. Für die Gründung und Herstellung eines Prototypen brauchte man Geld. Ein hilfreicher Weg hierzu war vorgegeben. Samt der Gründungsurkunde gab es 90 Anteilscheine für unser JUNIOR-Unternehmen, die zum Verkauf angeboten werden konnten. Nach den positiven Erfahrungen in München dürfte es für die Jungunternehmer in Passau und Land nicht so schwierig sein, die Idee mit 10 Euro je Anteilschein an den Mann zu bringen. Aber es war doch schwieriger als gedacht. Vielleicht lag es an der taktisch ungünstigen Jahreszeit, um Menschen für eine Sache mit jugendlichen Hauptschülern zu begeistern: es war die Weihnachts-Vor-Zeit. Aufgeben? Von wegen! Schulleiter, Konrektor, Lehrer, Oma, Opa, Mama, Tante, und Co. erhielten als Erste je einen Anteilschein. Nach und nach folgten dann doch noch einige Vertreter aus der Wirtschaft. Und endlich: das Jungunternehmer-Konto zeigte ein Plus.

JANUAR 2009

Das bis Dato angesammelte Fremdkapital durch den Verkauf von 55 fabulous for.me Anteilscheinen kam wie gerufen und wurde zum Teil unter „Kontrolle der Paten“ für Materialeinkäufe und Löhne verwendet. Überweisungen an Sozialabgaben waren Pflicht. Protokolle schreiben und die Buchführung auf den neuesten Stand bringen wurde zur Routine und monatlich nach Köln gemailt. Manchmal fehlte bei dem Einen oder der Anderen der Antrieb, denn es gab bis hierhin sehr viel an Theorie und einiges an Planung. Zahlreiche Unternehmerunterrichtsstunden und Unternehmermeetings waren abgehakt, aber wenig an Arbeitsstundenentlohnungen und der Produkt-Prototyp noch in weiter Ferne.

FEBRUAR 2009

Jedem war klar, Umsatz soll so schnell als möglich generiert werden, denn im August musste laut IW Köln, das JUNIOR-Unternehmen bereits wieder aufgelöst sein. Außer Spesen nichts gewesen — hieß es bis zu diesem Zeitpunkt. Eine Idee musste her! Die Lösung: eine Hauptversammlung für die Anteilseigner und für ausgewählte Gäste. Terminplanung bis spätestens Ende Mai. Die Motivation war hoch, die Jungunternehmer ein Team. Die Aufgabe lautete Planen, Gestalten, Umsetzen. Der Großteil versammelte sich pflichtbewusst in den Faschingsferien im Klassenzimmer. Dieses kurzerhand zu einer Produktionsstätte umgewandelt, wurde zusammen mit den Paten eine To-Do-Liste erstellt, Einladungen designt und versendet und all die kleinen Dinge gemanaget und produziert, die für ein professionelles Event notwendig waren. Zeitgleich kümmerte sich der Marketingleiter um das Catering, nebst allem drum und dran, sowie ums Servicepersonal. Sein Stellvertreter kreierte die drucktechnischen und visuellen Unternehmenspräsentationen. Die Vorstandsvorsitzende schrieb die Hauptversammlungsreden und organisierte stimmungsvolles Equipment, von Kerzen bis Stehtischen. Die Finanzleiterin erstellte zur Info für die Anteilseigner einen GuV- und Bilanz-Zwischenstand, übernahm zwischenzeitlich die Prototypen-Produktionsleitung und delegierte die andere Hälfte der Mannschaft, sodass der Tag X kommen konnte.

Nebenbei entstand ein Flash-Image-Movie, um Anteilseigner zu gewinnen:

MÄRZ 2009

Über 50 Anteilseigner und Gäste sagten zu. Erfreulich wenige hatten was anderes zu tun und nur manche hatten Mühe mit der Rücksendung der bereits briefmarkenversehenen Postkarte für die Rückantwort und Anmeldung. Die Event-To-Do-Liste war lang, die Aufgaben verteilt. Veranstaltungsraum mit Bühne, Stehtischen, Stühlen bis hin zu Namensschildern, Mappen für Presse, Produktvorbestellzettel — es fehlte nichts. Das Buffet war angerichtet und alle kamen. Fazit der Hauptversammlung: wie geplant und erwartet ein absolut gelungenes Event und für diejenigen, die der Einladung nicht folgen konnten, ein Verlust, laut Aussage aller Anwesenden. Aber speziell für die Jungunternehmer war die Hauptversammlung ein fabulöses Ereignis. Sie durften sich und ihre Idee präsentieren. Zwei Rechnungsrevisoren wurden gewählt und weitere Anteilscheine verkaufen. Sogar Werbefläche auf der Jungunternehmer-Homepage wurde vermietet. Und: Umsatz war zum Greifen nah. Denn der Finanzleiterin, Christina Lux, sei Dank: der Prototyp kam gut an und es gingen zahlreiche schriftliche Produkt-Vorbestellungen ein.

APRIL 2009

Ab hier lief es wie am Schnürchen. Alle Vorbestellungen wurden produziert. Zwischenzeitlich kamen neue Bestellungen rein. Liefern, verkaufen und kassieren — alle waren zufrieden — es war einfach schön. Weniger schön war das, was folgte. Eine Unternehmerpause, denn Schülertum stand auf dem Programm.

MAI 2009

Lernen für die Prüfung für den Qualifizierenden Hauptschulabschluss hatte Prio 1. Die Produktion wurde eingestellt und es fanden „nur“ noch Unternehmerunterrichtsstunden und Meetings statt.

JUNI 2009

Quali-Prüfungen abgeschlossen, bestanden und ab in die End-Runde: Vorbereiten einer fabulous for.me JUNIOR-Unternehmen-Auflösungsveranstaltung. Kurz gefasst, alle Anteilseigner einladen, über die ordnungsgemäße Auflösung abstimmen, einen Finanzbericht ablegen, Anteilseigner-Einverständnisse dokumentieren, alles Revue passieren lassen und sich bei allen bedanken.

JULI | AUGUST 2009

Gründen und wieder auflösen, das war eine Bedingung der Zusammenarbeit von und mit IW Köln. Sämtliche Auflösungsdaten, Protokolle, einen Jahresabschluss der Gewinn- und Verlustrechnung, nebst Bilanz und Co. wurden erstellt und vom Institut der Deutschen Wirtschaft Köln überprüft.

SEPTEMBER 2009

Die Auflösungsurkunde kam via Post. D. h. alle Daten waren OK und alles wurde richtig gemacht. Monatelang unternehmerischer Einsatz, nebst Schule, Prüfungen und Qualifizierungen haben sich für die fabulous for.me Jungunternehmer gelohnt, denn alle haben ein Zertifikat vom Institut der Deutschen Wirtschaft Köln erhalten.

DEZEMBER 2009

Satte Gewinne haben wir uns nicht erwartert. Aber ein kleiner dreistelliger Betrag lag noch in der Kasse. In unseren Präsentationen vor Unternehmern und Anteilseignern hatten wir es oft vermittelt — fabulous for.me wird soziale Verantwortung übernehmen. Vorbildlich in Unternehmertum und Unternehmergeist überreichte und spendete das JUNIOR-Unternehmen den Betrag an das Kinderkrankenhaus in Passau. Tassilo Mischko: "Ich habe es gewusst — die Jugend wird immer schlimmer :-)".

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